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Freitag, 02. Februar 2018 / Geplantes 3R Kompetenzzentrum nimmt Formen an

Geplantes 3R Kompetenzzentrum nimmt Formen an

Im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV wurde 2016 ein Konzept für ein schweizerisches 3R-Kompetenzzentrum erarbeitet. Das Zentrum soll nun bald im Februar 2018, als Verein gegründet werden. Sitz ist Bern. Die Finanzierung für 2018 kommt aus Beiträgen vom SFBI, dem BLV, der Interpharma und den Hochschulen – insgesamt fast 3 Millionen Franken.


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Damit werden zukünftig für Alternativmethoden mehr Mittel zur Verfügung stehen als bei dem Vorgänger des Kompetenzzentrum, der Stiftung Forschung 3R, die am 22. Januar offiziell ihren Abschied feierte. Dies ist eine erfreuliche Meldung für die 3R-Forschung und für alle Versuchstiere in der Schweiz. Von den drei Millionen sollen allerdings nach ersten Einschätzungen nur knapp 1.3 Mio. tatsächlich in die praktische Förderung der 3R fliessen. Es bleibt abzuwarten, wie die Zahlen per Ende Jahr aussehen, wenn das Kompetenzzentrum seine Arbeit aufgenommen hat.

Trotzdem bleiben für die Stiftung Animalfree Research noch einige Fragezeichen in Bezug auf das Kompetenzzentrum bestehen. So soll dieses als Verein organisiert sein, der breit abgestützt ist. Auf den ersten Blick mag das so sein, immerhin werden neben den Universitäten auch die ZHAW, das BLV, der Schweizer Tierschutz, die Fachhochschule Nordwestschweiz und Interpharma als Mitglieder genannt. Allerdings stellt sich die Frage der Beschlussfassung, wenn die akademischen Institutionen jederzeit problemlos die anderen Mitglieder überstimmen können.

Generell gibt die Struktur zu denken. Neben dem „strategic board“ mit oben genannten Mitgliedern soll es ein „executive board“, ein „scientific advisory board“ und ein „stakeholder advisory board“ geben. Zuständig für die praktische Umsetzung der Ziele des Zentrums ist dann eine Einzelperson, ein Direktor/eine Direktorin. Wir haben Zweifel, ob auf diese Weise ein effizientes Zentrum mit klaren Zielen und Strategien entstehen kann.

Das Kompetenzzentrum soll alle drei „R“ fördern bzw. implementieren. Aus Sicht von Animalfree Research müsste hier aber ganz klar ein Schwerpunkt bei Replacement, also beim Ersatz von Tierversuchen, sein. Ferner soll das Zentrum u.a. eine 3R-Strategie für die Schweiz entwickeln, eine professionelle Anlaufstelle sein, Gesuche begutachten bzw. aktive Ausschreibungen machen, die Lehre besser vernetzen und aktiv über Anlässe kommunizieren. Unsere Stiftung wird das Entstehen dieser neuen Institution weiterhin genau beobachten. Wir begrüssen es aber sehr, dass die Schweiz nun ebenfalls ein 3R-Zentrum erhält, wie es in Europa England, Deutschland, die Niederlande, Schweden, Dänemark und seit Kurzem Italien bereits haben. Wir stellen gerne Fachwissen und Erfahrung in den Dienst dieser guten Sache, sofern unser Stiftungszweck erfüllt werden kann: Mit dem Ersatz von Tierversuchen soll die Würde und das Wohlergehen des Tieres geschützt werden.