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Donnerstag, 06. November 2014 / Künstliche Lungenzellen

Schnell, effizient, genau, und völlig versuchstierfrei: ALICE-CLOUD

Die Lunge ist eine der Haupteintrittspforten für Schadstoffe und Krankheitserreger und Lungenerkrankungen gehören weltweit zu den führenden Todesursachen. Aus diesem Grund ist dieses Organ auch Gegenstand umfangreicher Forschungsprojekte, die Versuchstiere (zumeist Ratten) verwenden. Nun gibt es ein wirklichkeitsgetreues System mit menschlichen Lungenzellen, das auch kommerziell erhältlich ist und komplett ohne Versuchstiere auskommt.


Menschliche Lungenzellen ermöglichen umfangreiche Forschung ohne Versuchstiere. © VITROCELL SYSTEMS GmbH, © adimas - Fotolia.com

An einem kritischen Punkt der Entwicklung konnte unsere Stiftung im Jahr 2009 finanziell einspringen und den Fortgang des Projektes gewährleisten. Dieser Einsatz hat sich nun mehr als ausgezahlt.

 

Tierversuche sind im Bereich Lungenerkrankungen sehr häufig. Beispiele sind Giftigkeitsprüfungen, Infektionsstudien und Wirksamkeitstests. Man lässt die Tiere eine bestimmte Substanz einatmen, und überprüft dann die Auswirkungen auf ihren Organismus. Dieser Ansatz hat diverse gravierende Nachteile. So sind die Atemwege von Ratten anatomisch anders aufgebaut als beim Menschen,  und man hat keinerlei Kontrolle darüber, welche Menge der fraglichen Substanz das Tier tatsächlich eingeatmet hat. Am Ende des Versuches werden die Tiere getötet und ihre Lunge wird untersucht.

Viel Raum für Verbesserungen also. Aus diesem Grund zögerten wir 2009 auch nicht lange, die Weiterentwicklung einer Kammer, der sogenannten ALICE, zu finanzieren. Das System hat viele Vorteile, so zum Beispiel, dass man unter realistischen und physiologischen Bedingungen mit humanen Lungenzellen arbeitet. Weiterhin kann man messen, wieviel von einer Substanz die Zellen tatsächlich erreicht hat, die sogenannte Deposition – im Tierversuch unmöglich. 

2013 sahen wir ALICE wieder. Auf dem Linzer Kongress von den anwesenden Fachleuten als Durchbruch auf dem Weg in eine versuchstierfreie Forschung gefeiert, wurde auch die damalige Förderung durch Animalfree Research nochmals ausdrücklich gewürdigt. Die Kammer wurde seither weiterentwickelt und zur Marktreife gebracht: Sie ist bei der Firma Vitrocell unter dem Namen VITROCELL® Cloud käuflich erhältlich (www.vitrocell.com). Im Prinzip ist sie für jede Anwendung geeignet, und hat sich auf dem Gebiet der Toxikologie und der Medikamentenentwicklung bereits sehr bewährt.

In einem neuen wissenschaftlichen Artikel in einer der renommiertesten Zeitschriften für Lungenforschung wird zudem die Forschergemeinschaft auf die Existenz und die Vorteile des Systems aufmerksam macht. Hoffen wir, dass viele sich überzeugen lassen und vom Tierversuch auf das neue System umsteigen!

 

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