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3R: Eine Einführung

Replace - Reduce - Refine: 1954 nahm das Konzept der 3R seinen Anfang. Zwei junge Forscher erstellten einen Bericht, in dem sie den Umgang mit Versuchstieren und Möglichkeiten einer humaneren Wissenschaft beleuchteten. Bis man sich jedoch ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzte, vergingen nochmals 30 Jahre...

Die In Vitro Methoden entwickeln sich rasant, der Einsatz von leistungsfähigen Computern beschleunigte den Trend.
Die In Vitro Methoden entwickeln sich rasant, der Einsatz von leistungsfähigen Computern beschleunigte den Trend.

Die „3R“ (auch bekannt als das „3R Prinzip“ bzw. das „3R-Konzept“) gehen auf das Jahr 1954 zurück. Damals beauftragte die Universities Federation for Animal Welfare einen jungen Forscher  namens William Moy Stratten Russell, einen Bericht über die Fortschritte der humanen Forschung im Labor zu schreiben. Er wurde dabei von Rex Burch unterstützt, einem späteren Mikrobiologen, der für diesen Bericht durchs Land reiste und Hunderte Forscher interviewte. In gewissem Sinne hatten sich zwei ungewöhnliche Persönlichkeiten gesucht und gefunden: Beide verfügten über eine besondere Fähigkeit, über die Grenzen eines bestimmten Fachgebietes hinauszuschauen. Auf diese Weise entstand ein revolutionärer Bericht, die «Principles of Humane Experimental Technique», die den Grundstein für die 3R legen sollten. Revolutionär war der Bericht insofern, als (bis auf ganz wenige Ausnahmen) sich damals niemand um das Wohl der Versuchstiere ernsthafte Gedanken machte. Ganz im Gegenteil herrschte die Ansicht vor, dass Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Versuchstieres ein (dazu noch völlig überflüssiges) Hindernis für die Forschung darstellte.

 

Erstmals war in diesem Werk, das 1959 veröffentlicht wurde, von den drei Prinzipien die Rede, die einer humanen Forschung zugrunde liegen:

 

  • Replace (ersetzen): lebende und fühlende Versuchstiere sollen so weit als möglich durch nicht empfindungsfähige Materie ersetzt werden.
  • Reduce (verringern): das angestrebte Versuchsziel soll mit so wenig Tieren wie möglich erreicht werden.
  • Refine: die verwendeten Versuchstiere werden so schonend wie möglich behandelt. Dies bezieht sich auf das gesamte Leben des Tieres: Zucht, Transport, Haltung, Versuch, und gegebenenfalls auch Tötung.


Nach der Veröffentlichung blieb es, wie dies bei Pionierarbeit oft der Fall ist, ruhig um die 3R. Mit den Fortschritten bei der Zellkultur Mitte/Ende der 80er Jahre begann das Konzept dann Fahrt aufzunehmen. Mit der Möglichkeit, einzelne Zellen mit Hilfe von Antibiotika und Nährmedien eine Zeitlang am Leben und funktionstüchtig zu erhalten, und sie im Reagenzglas (in vitro) zu untersuchen, konnte man den Forschern endlich eine Methode anbieten, die ohne das lebendige Versuchstier auskam. Zudem war die Zeit reif: eine sensibilisierte Öffentlichkeit begann den Sinn und Unsinn von Tierversuchen immer energischer zu hinterfragen, die Tierschutzgesetzgebung wurde zusehends strenger, und auch auf Forscherseite begann man das in vivo Experiment kritischer zu sehen.

 

Seither entwickeln sich die in vitro Methoden rasant; und die flächendeckende Einführung leistungsfähiger Computer gab einen weiteren Schub: mit ihrer Hilfe kann man nun mögliche Wechselwirkungen (z.B. eines Medikamentes) mit einer Zelle simulieren (sogenannte in silico Verfahren).

 

Heute sind die 3R in der nationalen und internationalen Gesetzgebung fest verankert.  Dennoch gibt es viel zu tun: das Beharrungsvermögen alter Systeme darf nicht unterschätzt werden. Dennoch macht die Entwicklung Mut. Der wissenschaftliche Nachwuchs hat die Forderungen der 3R ganz selbstverständlich als Bestandteil seiner Forschung akzeptiert, und weltweit arbeitet ein immer dichter werdendes  Netzwerk von Wissenschaftern an der Weiterentwicklung und Akzeptanz von Alternativmethoden zum Tierversuch. Eine Hauptaufgabe der nächsten Jahre wird sein, die bestehenden versuchstierfreien Methoden in die praktische Anwendung zu bringen. Hierfür setzen wir an