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Mittwoch, 03. Mai 2017 / Zürich /

Schwerstbelastender Primatenversuch: unverhältnismässig und rechtswidrig

Gemeinsames Communiqué der Tierschutzorganisationen 51 Schweizer Tierschutzorganisationen erachten das Urteil des Zürcher Verwal-tungsgerichts zum schwerstbelastenden Primatenversuch als unverhältnismäs-sig und rechtswidrig. Sie kritisieren den Widerspruch zu einem höherstehenden Bundesgerichtsurteil, die krasse Verletzung der Tierwürde und die Überschrei-tung jeglicher moralisch-ethischer Grenzen.


Das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich hat mit seinem Urteil vom 5. April 2017 den Weg für schwerstbelastende Experimente an Primaten in Zürich geebnet. Den Tierschutzvertretern ist es nicht möglich, das Verfahren an das Bundesgericht weiterzuziehen. Bereits 2016 haben die hier unterzeichnenden Organisationen in einem offenen Brief gemeinsam erklärt, dass die umstrittene Hirnforschung an Primaten rechtswidrig und somit nicht bewilligungsfähig ist.

Umso grösser ist nun schweizweit die Bestürzung der Tierschutzorganisationen, dass das Zürcher Verwaltungsgericht den Primatenversuch bewilligt hat. Er wird am Institut für Neuroinformatik durchgeführt, das gemeinsam von Universität und der ETH Zürich getragen wird. Das Urteil widerspricht einem Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 2009, der entsprechende Primatenversuche als nicht zulässig erklärte und der Forschung damit klar ethisch-moralische Grenzen setzte.

Erstaunlich ist, dass das Verwaltungsgericht in seiner Güterabwägung ähnliche Überlegungen anstellt wie das Bundesgericht 2009: Die Versuchsanordnung ist ebenfalls dem höchsten Belastungsgrad (Schweregrad 3) zugeordnet. Zudem stuft das Verwaltungsgericht die medizinische Bedeutung des Primatenversuchs ebenfalls als sehr unsicher ein und korrigiert damit die Ansicht des Regierungsrats als Vorinstanz. Dieser hatte den allfälligen Nutzen für den Menschen völlig überbewertet. Dennoch kommt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass der Forschungsnutzen die Belastung der Tiere überwiegt.

Diese Schlussfolgerung ist für die unterzeichnenden Organisationen nicht nachvollziehbar. Den Versuchstieren wird langandauerndes schweres Leiden zugemutet, obwohl kein konkreter Nutzen für die Behandlung einer menschlichen Erkrankung absehbar ist. Der Tierversuch verstösst gegen Art. 19 Abs. 4 des Tierschutzgesetzes, wonach Tierversuche insbesondere dann als unzulässig gelten, wenn sie gemessen am erwarteten Kenntnisgewinn dem Tier unverhältnismässige Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder es in unverhältnismässige Angst versetzen. Eine Bewilligung für einen unzulässigen Tierversuch ist rechtswidrig.

Für die Tierschutzorganisationen ist weiterhin klar: Die Tiere werden auf grausame Weise instrumentalisiert. Das Urteil berücksichtigt die Tierwürde zu wenig und schafft Rechtsunsicherheit in wichtigen Fragen, die durch das Bundesgericht eindeutig geklärt wurden. Dieses höchstrichterliche Urteil bleibt schweizweit wegweisend. Die Tierschutzorganisationen werden sich auch künftig auf dessen Einhaltung berufen.

 

Unterzeichnende Schweizer Tierschutzorganisationen:

 

Aargauischer Tierschutzverein ATs

Aktion Kirche und Tiere AKUT-CH

Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner AG STG

Alliance Animal Suisse

Animal Horizon

Animal Trust

Animalfree Research

Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin  

Association La Colline au lapins 

Association Les Chats Du Robinson

Association Pour L’Egalité d’Animale (PEA)

Associazione svizzera per l'abolizione della vivisezione ATRA

Berner Tierschutz

Club der Rattenfreunde

Dachverband Berner Tierschutzorganisationen (DBT)

Fair-fish

Fondation chats des rues

Fondation Franz Weber FFW

Greek and Swiss Animal Help GASAH

Jane Goodall Institut Schweiz

Kantonaler Glarner Tierschutzverein

Ligue suisse contre la vivisection et pour les Droits des Animaux LSCV

Ligue Vaudoise pour la Défense des Animaux

METIBE – Büro für Mensch-Tier-Beziehungen

Migratory Birds Conservation in Cyprus MBCC

Mouvement pour les Animaux & le Respect de la Terre (MART)

Network for Animal Protection (NetAP) • OceanCare

Petfinder.ch

Pogona.ch GmbH

Protection et Récupération des Tortues

ProTier – Stiftung für Tierschutz und Ethik

Société fribourgeoise pour la Protection des Animaux (SPA - Fribourg)

Sos Chats Genève

Sos Chats Noiraigue

Stiftung für das Tier im Recht (TIR)

Stiftung Tierbotschafter.ch

Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz

Tier-im-fokus.ch

Tierpartei Schweiz (TPS)

Tierschutz.ch

Tierschutzbund Basel Regional

Tierschutz beider Basel

Tierschutzbund Innerschweiz

Tierschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung

Verein gegen Tierfabriken VgT

Verein zur Abschaffung der Tierversuche

Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz

Welt der Tiere

Wildtierschutz Schweiz

Zürcher Tierschutz