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Dienstag, 04. Februar 2014 / Tierversuchslabors unter Palmen

Tierversuchslabors unter Palmen

Mauritius – das Urlaubsparadies par excellence - gilt als einer der grössten Exporteure von Versuchsaffen weltweit. Der Export der Tiere wurde in jüngster Zeit erschwert, da beinahe alle Fluggesellschaften auf den Transport von Primaten verzichten. Mauritius scheint nun eine sehr bedenkliche Lösung gefunden zu haben: Wenn die Primaten nicht zum Tierversuch kommen, dann kommt der Tierversuch eben zu den Primaten. Eine entsprechende Gesetzesänderung wird vorbereitet.


Javaneraffe © Johnny - Fotolia.com

Die Tiere werden in den Herkunftsländern gefangen und dort vor Ort eingesperrt. Die Gesetzgebung in den meisten Ländern¹ verbietet den Import von Wildfängen in die Versuchslabors. Stattdessen werden die Affen vor Ort verpaart (bzw. gleich vorzugsweise trächtige Weibchen eingefangen) und der Nachwuchs wird auf den weiten Weg um die Welt geschickt. Die Umstände des Fangens und die Haltungsbedingungen sollte man sich besser nicht so genau vorstellen; die BUAV hat diese Vorgänge gefilmt . Und die Reise kann lang sein: Schon ein Direktflug von Mauritius nach Genf dauert ca. 21 Stunden; An- und Abtransport zum Flughafen, Wartezeiten und Verspätungen nicht eingerechnet. Gegen diese Flugreisen haben Tierschützer lange und erfolgreich protestiert: in den letzten Jahren haben bis auf die Air France alle Fluglinien die Primatentransporte nach Europa eingestellt.

 

Dieser Erfolg hat aber zwei Seiten. Zwar werden Versuche an Primaten zunehmend erschwert und die Öffentlichkeit wird für die Situation sensibilisiert. Der Bedarf an Versuchstieren in den Empfängerländern ist aber eher steigend, d.h. Affen werden nach wie vor bestellt. Durch fehlende Transporteure wird die Reise der Primaten aber noch länger, da weniger Optionen für Verbindungen bzw. Möglichkeiten zu Direktflügen bestehen. Mit jedem Umladen steigt zudem noch die Gefahr von Verzögerungen.

 

Die Nachricht vom 29. Januar, dass Mauritius nunmehr plant, Tierversuchslabors direkt im Land zu errichten, könnte eine direkte Folge sein. Denn mit nur einer verbliebenen Fluggesellschaft, die unter starkem Druck steht, dieses Geschäft ebenfalls aufzugeben, sind die Forscher einem hohen Risiko ausgesetzt, unvermittelt ohne «Nachschub» dazustehen.

 

Ein zusätzlicher Anreiz ist sicher die Tierschutzgesetzgebung. Lange haben Forscher (nicht alle!) in der  EU und in der Schweiz damit gedroht, bei weiteren Verschärfungen «ins Ausland auszuweichen». Da optimaler Tierschutz – speziell für Primaten – gesellschaftlicher Konsens ist (der sich ja in der Gesetzgebung nur wiederspiegelt) offenbart dies aus unserer Sicht eine etwas merkwürdige Auffassung von gesetzlichen Auflagen und Vorschriften, die offenbar als pure Schikane empfunden werden.

 

Kurz: Es steht zu befürchten, dass belastende Versuche an Primaten in ein Land ausgelagert werden, in dem die Tierschutzstandards nicht so hoch sind wie hier. Mauritius hat ein starkes wirtschaftliches Interesse daran, an den Affen weiterhin zu verdienen – und die entsprechende Gesetzesvorlage soll offenbar bereits Ende März diesen Jahres angenommen werden. Aber: noch hat der Bau der Labors nicht begonnen. Die Organisation Ärzte gegen Tierversuche macht einen Aufruf an Politiker von Mauritius. Auch Sie können sich beteiligen.

 

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¹ In der Schweiz schreibt die Tierschutzverordnung vor: «Primaten dürfen nur in Tierversuchen eingesetzt werden, wenn sie gezüchtet worden sind.» (Art. 118 Abs. 4)

² BUAV: British Union for the Abolition of Vivisection