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Mittwoch, 30. April 2014 /

Ein neues Medikament gegen Masern?

Es geht zurzeit durch die Medien: Forscher aus den USA und Deutschland haben ein Medikament gefunden, das Masern heilen könnte. Wenn man aber ein wenig weiterliest, bemerkt man: Darum geht es momentan noch gar nicht. Unter wenig realistischen Bedingungen ist die neue Substanz wirksam gegen einem den Masernviren sehr ähnlichen Erreger, der Hundestaupe, getestet worden. Bei den Versuchen wurden Frettchen eingesetzt.


Das sind möglicherweise ganz gute Nachrichten für die Frettchen und ihre verwandten Arten, bei denen der oft tödliche Erreger Staupe bekämpft werden konnte. Der Weg bis zu einem wirksamen und sicheren Wirkstoff bei der Masernerkrankung beim Menschen ist aber noch sehr weit. Denn auch den Frettchen half das Medikament nur, wenn es zu einem bestimmten Zeitpunkt nach der Ansteckung gegeben wird. Sind bereits Symptome vorhanden, nützt es nichts mehr.

 

Die Wirksamkeit bei den Masern ist daher mit sehr grossen Fragezeichen behaftet. Vorausgesetzt, diese Befunde lassen sich - was eigentlich nie vorkommt - zu 100% auf den Menschen übertragen: Es stellt sich natürlich die Frage, was das in der Praxis nützen soll. Denn von einer Ansteckung mit Masern weiss man in der Regel erst, wenn man krank wird, die Symptome also auftreten - und nicht vorher. Allerdings wurde das Virus dann schon weiter verbreitet. Die Inkubationszeit, also die Zeitspanne zwischen der Infektion und den ersten Symptomen liegt bei Masern bei mindestens einer Woche.

 

Es gibt noch einen weiteren heiklen Punkt: Die Impfmüdigkeit könnte weiter steigen, weil die Menschen darauf vertrauen, dass es zukünftig ein Medikament gegen Masern gibt. Darauf weisen die Forscher selber ganz ausdrücklich hin: Will man die Masern ausrotten, ist der einzige Weg die konsequente und flächendeckende Impfung. Wenn die Forscher jedoch zu dieser Erkenntnis gekommen sind und das Medikament eigentlich nur erfolgreich ist, bevor die Symptome sichtbar sind, stellt sich durchaus die Frage, wozu noch weiter getestet wird. Im nächsten Jahr soll der nächste Schritt im Testverfahren erfolgen: Affen mit Masern infizieren. Und das ist ein hochbelastender Tierversuch!