Sie sind hier: Home
Dienstag, 06. März 2018 / Von Affen und Käfern

Von Affen und Käfern

Am 5. März 2018 rauschte es im Schweizer Blätterwald: Genf will Dieselfahrzeuge verbieten. Das Chaos um VW, Diesel, Schummelsoftware, Fahrverbote, Menschen- und Tierversuche will kein Ende nehmen. Speziell letztere haben für erhebliche Aufregung gesorgt. Was ist da passiert?


1973 war die Interaktion zwischen Affen und Käfern noch nicht so belastet, wie sie aktuell heute ist.

Das Chaos ist perfekt, der Vertrauensverlust total. Und es geht immer noch weiter: Mehr oder weniger durch Zufall, nämlich durch eine Erwähnung in einer Netflix-Dokumentation, kam heraus, dass 2014 Affenversuche an 10 Javanern durchgeführt wurden. Vier Stunden lang mussten die Tiere Dieselabgase einatmen. Das Auto, das diese Abgase produzierte war ein VW-Käfer (neudeutsch beetle). Es sollte bewiesen werden, dass die Dieselabgasreinigung moderner Fahrzeuge die Belastung erheblich verringert hat – vermutlich ein letzter Ehrenrettungsversuch.

Eine spezielle Rolle spielt hier die EUGT – die Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor. Es ist ein gängiger Kniff – wenn man unerwünschte wissenschaftliche Resultate nicht mehr widerlegen kann, kann man mit eigenen Studien, die natürlich das gewünschte Ergebnis bringen, Zweifel an der bestehenden Datenlage säen, und dann in Medien und Öffentlichkeit so tun, als würde immer noch kontrovers diskutiert. Zu diesem Zweck gründet man ein Konsortium, das sich als Forschungsinstitution ausgibt, aber tatsächlich von Mitgliedern der einschlägigen Interessengruppen (hier BMW, Volkswagen und Daimler) besetzt ist. Finanziert haben die Studie VW, Daimler, BMW und Bosch. Federführend bei der Durchführung der Studie war – VW.

Diese Mechanismen sind lange bekannt und eingespielt, sie werden eindrücklich dargestellt in dem Buch „Merchants of Doubt“ von Naomi Oreskes und Erik M. Conway. Die Ergebnisse dieser Forschung sind natürlich nicht unabhängig, und damit wissenschaftlich völlig wertlos. Affenversuche sind immer problematisch, auch wenn sie tatsächlich essentiell zum Wissensgewinn beitragen. Sie für einen solchen Zweck zu missbrauchen, macht nur noch sprachlos. Und um allem die Krone aufzusetzen, sind die Ergebnisse nie veröffentlicht worden. Ein Schelm, wer sich dabei Böses denkt. Waren die Ergebnisse so, dass sich trotz allem nichts mehr schönreden liess? Ein 58-seitiger Laborbericht, der irgendwie an die Medien kam, zeigte auf, dass die neuen, „verbesserten“ Abgase noch verheerendere Wirkungen hatten als die eines Fords aus dem Jahr 1997. Und dies bei einem Versuch der nur 4 Stunden dauerte. Aber es kam noch etwas obendrauf: auch der VW-Käfer im Versuch hatte die manipulierte Motorsteuerung („Schummelsoftware“). Offenbar kann man bei VW schon gar nicht mehr anders. Damit sind die Versuche gleich doppelt wertlos.

Das Problem verschwindender Tierstudien ist zurzeit ein heisses Thema in der Forschung. Es gibt keinen „Publikationszwang“, das heisst ein Tierversuchsvorhaben muss nicht zwingend in einer Veröffentlichung enden. Humanstudien müssen vorher registriert werden, das heisst es gibt keine Möglichkeit, am Versuchsablauf noch etwas abzuändern bzw. bei Nichtgefallen einfach nicht zu publizieren – und genau aus diesem Grund gibt es zu den Menschenversuchen auch eine wissenschaftliche Publikation.

Übrigens: die EUGT wurde inzwischen sang- und klanglos aufgelöst.