REACH - die Versuchstierzahlen
In einer Veröffentlichung von Prof. Thomas Hartung und seiner Mitarbeiterin Costanza Rovida wurden die Versuchstierzahlen, die im Zuge der Umsetzung der REACH-Verordnung anfallen werden, neu kalkuliert- mit erschreckendem Ergebnis. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass statt der veranschlagten 9 Millionen Versuchstiere bis zum Jahre 2018, dem Jahr, wo die Testungen offiziell abgeschlossen sein sollen, tatsächlich 54 Millionen Tiere notwendig sein werden. 90% davon werden in Versuchen gebraucht, die den Einfluss von Chemikalien auf die Fortpflanzungsfähigkeit erforschen sollen.
Den vollständigen Artikel (auf englisch) finden Sie hier
Doch wie kommen die Autoren auf diese doch viel höheren Zahlen? Seit den letzten Schätzungen der Versuchstierzahlen sind weitere Mitgliedsstaaten der EU beigetreten. Und die chemische Industrie ist überaus kräftig gewachsen. Bisherige Hochrechnungen bezogen sich auf Informationen früherer Jahre.
Selbstverständlich werden die vorgestellten Zahlen intensiv diskutiert. Die European Chemicals Agency (EChA)formulierte eine Gegendarstellung, und im April 2010 erschien zu dieser Diskussion ein Artikel, den Sie hier lesen können (auf englisch).
Aber es gibt auch gute Nachrichten: Auf der anderen Seite wurden auch bei der Entwicklung von Alternativmethoden Fortschritte erzielt. Kürzlich hat die EChA ein Dokument veröffentlicht, das Forschern eine Anleitung gibt, wie sie bei ihrer Arbeit ganz konkret Tierversuche einsparen können, den "New Practical Guide on Avoiding Animal Testing". Und es gibt eine grosse Chance: wenn statt des derzeit vorgeschriebenen sogenannten Zwei-Generationentests ein modifizierter Ein-Generationen-Test verwendet werden könnte, müssten um bis zu 40% weniger Versuchstiere verwendet werden. Eine Veröffentlichung zu diesem Thema können Sie hier lesen (auf englisch).
Im Bereich der Toxikologie sind die Dinge in Bewegung geraten: 2007 veröffentlichte das National Research Council (NRC) einen Bericht, in dem für das 21. Jahrhundert ein Paradigmenwechsel in der Toxikologie angekündigt wurde: weg vom Tierversuch und hin zur Alternativmethode (Toxicity Testing in the 21st Century: A Vision and a Strategy). Dies ist ein Riesenerfolg für die 3R, denn dieser Wechsel wird nicht nur angekündigt, sondern findet tatsächlich statt. Eine Zusammenfassung dieses Berichtes können Sie hier lesen.
